Politik, Bürgern und Investoren diskutieren

Politik, Bürgern und Investoren diskutieren

Soll ein Supermarkt den Kaiserhof retten? Zu einer öffentlichen Diskussion über die Zukunft des Kaiserhofs luden die Fraktionen von CDU und FDP ins Businesscenter nach Barkhausen ein.

Architekt Jörg Albersmeier und Mitinvestor Gerd Schiffers präsentierten das Objekt, um gemeinsam mit Politikern und Bürgern in einen Meinungsaustausch zu gehen und nach Lösungen zu suchen.

Der Anblick eines denkmalgeschützten Gebäudes fasziniert und wirkt wie eine Reise in vergangene Epochen. Als stummer Zeitzeuge hat der Kaiserhof die Jahrzehnte überdauert und erzählt mit jedem einzelnen Stein, mit jeder Holzdiele und seiner ganz besonderen Architektur spannende Geschichten – auch nach dem Brand vor 7 ½ Jahren. Mit jedem Jahr Leerstand wird die bauliche Sanierung des Objektes schwieriger. Die energetischen Anforderungen an die sanierte Bausubstanz tun ein weiteres dazu. Und wenn ein Interessent da ist, muss das Gebäude auch noch zu der beabsichtigten Nutzung passen. Was in Porta nicht der Fall ist, denn hier soll die Nutzung zum Gebäude passen.

Den Kaiserhof zu sanieren oder wieder aufzubauen, das erfordert nicht nur grundsätzliche Erfahrungen mit dem Bauen, sondern immer auch ein gewisses Verständnis für den Umgang mit historischer Bausubstanz. Dies ist vor allem dann notwendig, wenn das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Jetzt hat Architekt Jörg Albersmeier seine Vision der Wiederherstellung des Gebäudes sowie des umliegenden Areals vorgestellt. Es ist nur der Entwurf eines Bauplanes - mehr noch nicht. Albersmeier präsentierte, was mit dem ehemaligen Hotel und dem dazu gehörenden Gelände passieren könnte. Auch wenn es scheinbar um den Kaiserhof in den letzten Jahren ruhig war, sei im Hintergrund weiter an Planung und Konzept gearbeitet worden. „Vorausgegangen sind unzählige Gespräche mit Leuten aus unterschiedlichen Branchen. Aber wir sind auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen. Das Problem ist die Finanzierbarkeit. Die Vermietung muss langfristig gesehen werden. Wenn man einerseits einen prächtigen Kaiserhof möchte, der in altem und neuem Glanz erstrahlt, dann muss man auf der anderen Seite auch akzeptieren, dass ein solches Projekt mit einer Wirtschaftlichkeit einhergehen muss“, betonte der Mindener Architekt.

Sein Vorschlag für die Gestaltung des ehemaligen Hotelkomplexes kam bei den rund 80 anwesenden Portaner Bürgern positiv an. Im Hauptgebäude können Büroräume entstehen. Das offene Fachwerk soll mit einer Verglasung versehen werden und das an sich alte Gebäude somit mit der Neuzeit verbinden. Gauben sollen beiderseits des Daches entstehen. Die alten Gauben existieren nicht mehr. Sie sind vor einem Jahr mit Zustimmung des Denkmalschutzes entsorgt worden, da sie trotz Einlagerung über die Jahre erheblichen Schaden genommen haben. Die neuen Gauben sind größer geplant worden. Das sei einerseits einer Vorschrift zum Verhältnis von Raum- und Fensterfläche geschuldet und habe andererseits auch Brandschutzgründe. Die Feuerwehr könne an die größeren Gaubenfenster anleitern, um Menschen zu retten. Dies mache eine an die Fassade angebrachte Feuertreppe mit ihren optischen Beeinträchtigungen überflüssig. Das hintere Gebäude soll in das Gesamtkonzept mit eingebunden werden. Es könne für Kurzzeitwohnen wie in einem Boardinghaus vorgesehen werden. Das sind Zimmer oder Apartments mit hotelähnlichen Leistungen. Zudem soll ein Brunnen die Gemütlichkeit im Innenhof unterstützen. Vorstellen kann sich das Architektenteam auch, in dem Gewölbe einen Wein- oder Feinkosthändler unterzubringen.

Dann wurde es emotionaler. Stein des Anstoßes war die Bebauung des danebenliegenden Areals mit dem Laubengang. Dieser sei nicht mehr zu retten, so Albersmeier, da in den zurückliegenden Jahren sich niemand für dessen Pflege und Instandhaltung interessiert hätte. Sein Plan sieht vor, einen Supermarkt in den Hang zu integrieren, der sich an das Landschaftsbild anpasse. Die Größe sei identisch mit der des in Minden am Schwabenring geschaffenen Objektes. Das ist eine Fläche von 1.400 Quadratmetern sowie 100 PKW-Stellplätzen.

Dieser Vorschlag kam bei den anwesenden Bürgern nicht besonders gut an. Der Laubengang sei ein herausragendes Denkmal, dass es in dieser Form nur zweimal in ganz NRW gäbe. Zudem verbiete es sich, ein Areal, auf dem Opfer des NS-Regimes gequält und getötet wurden, mit einem Supermarkt zu überbauen. Alternativ wurde die Nutzung als Informationszentrum zur NS-Vergangenheit der Stadt Porta Westfalica angeregt.

Aus dem Kreise der Diskussionsteilnehmer kamen noch weitere Gegenvorschläge, wie ein Ayurvedisches Gesundheitszentrum, eine touristische Nutzung, die bestehende Attraktionen wie Kaiser-Wilhelm-Denkmal, Freilichtbühne, Fähranleger und Wittekindsburg ergänzen, sowie verschiedene Indoor-Attraktionen für die Jugend Portas samt Spielpark für Kinder, Kartbahn und Kletterhalle. Zudem wurde der Gedanke geboren, Teile des Gebäudes für Kunst und Kultur zu verwenden. Auch dem Bedarf an öffentlichen Räumen beispielsweise für ein Mehrgenerationenhaus, ein Bürgerzentrum oder für kulturelle und andere Veranstaltungen oder Verkaufsarkaden für kleine Einzelhandelsgeschäfte könnte nachgekommen werden.

Ob so etwas realistisch sei, müsse gemeinsam besprochen werden, hieß es von den anwesenden Politikern. Die Eigentümer des Kaiserhofs zeigten sich weniger begeistert von der ablehnenden Haltung zum Thema Supermarkt. Es werde ein belastbarer Mietvertrag gebraucht, um eine Finanzierung auf die Beine zu stellen. „Um den Kaiserhof zu retten, muss der Laubengang amputiert werden“, wiederholte Architekt Albersmeier mehrfach und Gerd Schiffers unterstrich: „Wir müssen das mit dem Supermarkt nicht machen, aber dann passiert beim Kaiserhof die nächsten Jahre nichts.“ Diese Aussage brachte einen Bürger in Rage. Es sei unsäglich, die Zustimmung zur Errichtung eines Supermarktes mittels einer solchen Aussage zu erpressen. Andere Diskussionsteilnehmer beklagten, dass unabhängig von der Errichtung eines Supermarktes eine Verpflichtung zur Erhaltung eines Denkmals bestünde und dass sie nicht den Eindruck hätten, die Eigentümer würden sich ernsthaft mit Alternativen beschäftigen.

Sowohl Jörg Albersmeier als auch Gerd Schiffers reklamierten für sich einen kompetenten Umgang mit Denkmälern. Immerhin seien beide bereits für andere Projekte mit Denkmalspreisen ausgezeichnet worden, betonten die beiden Eigentümer. Den Verfall und Abriss eines Denkmals zugunsten eines Supermarktes an der Mindener Grille, der ebenfalls zur Vita von Jörg Albersmeier gehört, wurde indes nicht thematisiert.

Während Bürger und Politiker das Thema Supermarkt nach dieser Diskussion als abgehakt ansahen, scheint Jörg Albersmeier an seiner Idee festhalten zu wollen. Er glaube, dass das Meinungsbild nicht repräsentativ sei und außerdem hätten ihm Teilnehmer zugetragen, dass sie den Supermarkt befürworten würden, sich jedoch nicht getraut hätten, ihre Meinung offen zu äußern. Das Thema scheint also noch lange nicht vom Tisch zu sein.

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