„Monumental und beständig“

„Monumental und beständig“

125 Jahre Kaiser-Wilhelm-Denkmal.

 

Eigentlich hätte das 125-jährige Bestehen des Kaiser-Wilhelm-Denkmals mit einem großen Bürgerfest gefeiert werden sollen, doch das war angesichts der Coronapandemie nicht möglich. Stattdessen lud der Landwirtschaftsverband Westfalen-Lippe zu einer Feierstunde ein. Eine große Feier soll im kommenden Jahr folgen.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal wurde im Oktober 1896 fertiggestellt und eingeweiht. Es sollte an den acht Jahre zuvor in Berlin gestorbenen Kaiser Wilhelm I erinnern. Heute ist das Kaiser-Wilhelm-Denkmal ein Tourismusmagnet. Als Riesenerfolg für die Region bezeichnete es LWL-Direktor Matthias Löb vor rund 70 geladenen Gästen. In seiner Festrede warf er die Frage auf, ob man das Jubiläum aus heutiger Sicht überhaupt feiern sollte. „Ein solches nationales Monument muss man demokratisch umarmen. Wir haben es geerbt und wollen damit umgehen. Es ist und bleibt ein Identifikationsort und eine wichtige Landmarke“, resümierte Löb.

Der LWL als Eigentümer hatte das Denkmal auf dem Wittekindsberg aufwendig renoviert und vor drei Jahren mit einem neuen Besucherzentrum und Restaurant wiedereröffnet. „Das Konzept war, das Denkmal historisch für die Besucherinnen und Besucher einzuordnen und die ganze Geschichte des Berges zu erzählen – von den Römern über Preußens Pomp bis zum Elend der Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg“, so Löb. Der Plan habe funktioniert. Gerechnet hatte der LWL vor der Wiedereröffnung mit 150.000 Besuchern im Jahr, gekommen waren 2018 und 2019 etwa 230.000 und 210.000. Die Anzahl der Führungen habe sich verzehnfacht und auch die Aufenthaltsdauer und Aufenthaltsqualität habe sich erhöht.

Als monumental und beständig bezeichnete Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach das Kaiser-Wilhelm-Denkmal und hob dabei auch die vielen interessanten historischen, kulturellen, geologischen und biologischen Sehenswürdigkeiten im Umfeld hervor. „Hier wurde und wird getanzt und gesungen, gelacht, gespeist und getrunken, geschaut und gestaunt. Und seit einigen Jahren wird hier auch geheiratet“, so die Bürgermeisterin, die das Denkmal als Geschenk für die Stadt und die Region bezeichnete. „Der grandiose Panoramablick und die Mächtigkeit des Denkmals sind im Spiel von Sonne und Licht, Wolken und Schatten immer wieder ein ganz besonderes Erlebnis. Es ist ein Denkmal mit Weitblick.“ Die Feierstunde nutzte Dr. Sonja Gerlach, um sich beim Förderverein des Kaiser-Wilhelm-Denkmals zu bedanken, der eine „enorme Summe“ aufgebracht habe, um das Denkmal zu erhalten. Auch an den Landwirtschaftsverband Westfalen-Lippe richtete sie ihren Dank für die Neugestaltung der Ringterasse und des gesamten Areals: „Der ‚Willem’ präsentiert sich dank des LWL in einem neuen, zeitgemäßen Rahmen. Wichtig und wertvoll ist, dass im Besucherzentrum das Denkmal in seinem historischen Kontext sowie auch natur- und kulturgeschichtliche Themen gezeigt werden.“ Dies sei ein starker Anstoß für die Menschen vor Ort, sich mit der Historie zu befassen.

„Ich hatte das große Glück, in einem Kinderzimmer mit Blick auf die Porta Westfalica aufzuwachsen“, erinnerte sich Landrätin Anna Katharina Bölling und hatte auch gleich noch eine familiäre Anekdote parat: Ihr Vater habe ihr erzählt, dass er in den 1950er Jahren mit Freunden in die Kuppel des Denkmals geklettert sei, um dort Karten zu spielen. „Wenn ich unterwegs war und den Kaiser sehe, dann weiß ich: Jetzt bin ich gleich zuhause“, beschrieb sie ihre persönliche Bindung zum Denkmal. In Zeiten, in denen Geschichtsvergessenheit en vouge sei, sei es wichtig, sich auch daran zu erinnern, wie Nationalstolz zu Nationalismus und letztlich zu viel Leid in zwei Weltkriegen, unter anderem für zahlreiche Zwangsarbeiter in Porta Westfalica geführt habe, machte Bölling, die sich in ihrem Geschichtsstudium mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal beschäftigt hat, deutlich.

Für die geschichtliche Einordnung des Denkmals sorgte die Leiterin des LWL-Preußenmuseums Minden und des LWL-Besucherzentrums im Kaiser-Wilhelm-Denkmal, Dr. Sylvia Necker. Solche Bauwerke -  wie auch Burgen und Schlösser – seinen ein Zeichen von Macht, weithin sichtbar und gleichzeitig Respekt und Ehrfurcht einflößend durch ihre Dimension und die Präsenz. Unterstützt werde dies noch durch das „Hochschauen“ müssen. Diese politisch-ikonographischen Techniken hätten jahrhundertelange Tradition. „Was kann das Kaiser-Wilhelm-Denkmal jenseits der hier vor Ort gern benutzten Formel zu ‚unserem Kaiser’ zu gehen, noch bieten? Wäre das nicht schon der erste Grund, einmal innezuhalten und sich zu fragen, mit welchem Stolz und welcher Freude wir in unserer bundesrepublikanischen Demokratie von ‚unserem Kaiser’ sprechen? Auch die Verniedlichung als ‚unser Willem’ ist aus der Perspektive der Historikerin mehr als fragwürdig“, so Dr. Sylvia Necker. Die Figur Wilhelms des Ersten böte viel Stoff für eine historisch-kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialgeschichte. Doch diese werde landläufig eher mit Akteuren wie Reichskanzler Otto von Bismarck verknüpft. Die Entkopplung der „Figur“ Wilhelms von der kolonialen Geschichte des Kaiserreichs hinterlasse eine merkwürdige Leerstelle, die das LWL-Besucherzentrum mit seiner kleinen und kompakten Ausstellung etwas füllen wolle.

„Tourismus und aktive sowie kritische Geschichtskultur schließen sich nicht aus“, betont die Historikerin. Nicht zuletzt das Schlagwort des Kulturtourismus mache deutlich, wie wichtig Angebote für historisch-politische und kulturelle Bildung an touristischen Orten wie Nationaldenkmälern seien. Das LWL-Preußenmuseum, das auch die Kulturvermittlung im Besucherzentrum des Kaiser-Wilhelm-Denkmals konzipiert und durchführt, habe sich zum Ziel gesetzt, neue und innovative Formen der Geschichtsvermittlung zu entwickeln. So wird beispielsweise hinter dem Denkmal und an der Zuwegung derzeit eine Kinderspielaktionsfläche errichtet, die mit pädagogischem Anspruch und über spielerische Formen das Thema ‚Denkmal’ vermittelt. Die Spielfläche soll im November bereits eröffnet sein.

Foto: Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach, LWL Direktor Matthias Löb und Landrätin Anna Katharina Bölling würdigten in einer Feierstunde die herausragende Bedeutung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals für die Region.

 

Hier können Sie den Festvortrag von Dr. Sylvia Necker herunterladen.

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